Liebes Tagebuch,
ich bin nun 18 Jahre alt. Nach Menschlichen Standards ist das noch recht jung. Für mein empfinden ist das nicht mehr ganz so Jung, aber auch nicht alt. Immerhin aber ist es schon mehr als ein viertel Jahrhundert.
Ich habe mich dazu entschieden, meine Lebensgeschichte aufzuschreiben, da ich mich - mal wieder - in einer Mittleren Lebenskrise befinde und ich mich selbst finden möchte. Aber auch deshalb, weil ich mich als kind immer über die Seltsamen Erwachsenen gewundert habe und es mir des öfteren so vorkan, als wären sie nie Kinder gewesen. Oder als hätten Sie alles aus ihrer Kindheit vergessen.
Und so ist es auch tatsächlich. Ich merke, dass mir meine Erinnerungen an die Kindheit mehr und mehr entschwinden. Dass ich mich weniger und weniger an die Emotionen, die ich damals empfand erinnere und ich mich merklich nur noch an die Extremen ereignisse erinnere. Es ist mir deshalb wichtig, meine Geschichte von beginn an aufzurollen und alles nieder zu schreiben, an das ich mich noch erinnern kann.
An meine Zeit als Baby und kleinkind habe ich nur noch einige wenige, sehr vaage erinnerungen.
Ich erinnere mich noch daran, dass meine Mama, Papa und ich in einer Dachwohnung in einem relativ hohen Haus lebten. Die wohnung war glaube ich länglich gezogen. Vom eingang lings die Stube, und direkt vor dem eingang die Küche.
Ich erinnere mich noch in der Stube auf dem Teppich zu sitzen und mit Holzklötzchen zu Spielen.
Eine lustige Erinnerung bildet die Dachschräge, die in der Küche war. Mein Vater stiess sich dort öfters mal den Kopf an. Aber das war es schon so ziemlich mit den Erinnerungen an diese frühste zeit. Ich weiss noch, dass es unten im garten einen Kleinen Sandkasten gab, aber ich glaube der war mit Brenesseln zugewuchert.
Es muss noch relativ früh gewesen sein, da kauften oder mieteten meine Eltern ein kleines Haus in Bohlsbach. Das haus gefiel mir sehr. Es hatte forn neben dem Eingang zwei schräg anliegende Türen, wie ein kleines Dach am Boden über die man den Heizkeller betreten konnte. Rechts am Haus vorbei führte ein kleiner Weg mit einem kleinem Garten, in dem ein riesiger Rhabarber wucherte. Den mochte ich ganz besonders.
Im haus selbst erinnere ich mich noch an ein Bett, das ein rund um hängendes, weisses Mosquito Netz hatte. Ich erinnere mich auch noch an einen Kindergeburtstag in Bohlsbach bei dem wir ein paar Bierbänke vor dem haus aufgestellt hatten. Mein vater hatte gegrillt und ich glaube mich zu erinnern, dass ein damaliger freund gleich zwei würstchan wollte. Aber dann war er schon zu voll und konnte sie nicht mehr fertig essen.
Hier machte ich glaube ich auch meine Ersten Freundschaften. Da wäre zum beispiel Marlin, ein Freund den ich von Mama kennen gelernt hatte und Marcial, den ich von Papa kennen gerlernt hatte.
Bei Marcial erinnere ich mich noch daran, dass er nicht richtig laufen konnte. Er liess die Beine sich umkreisen, wie eine Diva auf dem Catwalk. So liess es sich natürlich nicht gut Rennen.
Urlaub machten wir sehr oft auf Korsika. Dort hatten wir einen Stammcampingplatz, an den wir immer gefahren sind mit dem Auto und mit der Fähre.
Zuerst mit dem Zalt aber schon bald hatten wir einen Wohnwagen dort, am schństen Platz auf dem ganzen camping. Unser platz war nämlich am Rand des Campings, hatte einen eigenen Parkplatz und einen üpiigen Vorhof mit einem Tisch und zwei Bäumen zwischen die eine Hängematte gespannt war.
Dort habe ich das erste mal eine Gottesanbeterin gesehen. Einmal war ich mit Papa in der Hængematte und die Hængematte riss. Wir plumpsten auf den Boden und ich Lag zum glück noch auf Papa drauf. Ich habe sehr viele schöne erinnerungen an den Campingplatz Ostriconi. Früher konnte man dort noch Kanus ausleihen und man konnte auch reiten gehen. Einmal haben wir einen toten Gestrandeten Delfin gesehen. Ich liebte es, dort am stand zu sein, Krebsen nachzugehen und mit Papa Fischen zu gehen.
Meine Erinnerungen an diese frühe Kindheit sind allesamt sehr schön. Auch die Erinnerungen bei meinen Grosseltern bei denen ich viel zeit verbracht habe.
Ich vermute, ich war etwa 2 Jahre alt, als meine Mama sich von meinem Papa trennte. Genauere erinnerungen daran habe ich keine. Jedenfalls schreibt mama in meinem Babytagebuch, dass es nicht meine Schuld war oder die von meinem Papa. 2 Jare nach meiner Geburt (1997) hören die einträge dann auf. Ich vermute, dass das die Zeit der Trennung war. Ich weiss nicht mehr, wie oder wann er ausgezogen ist und ob sich meine Eltern in der Zeit gestritten haben.
In der zeit danach habe ich glaube ich bei Mama gelebt, aber Erinnerungen daran habe ich fast keine mehr, ausser dass einmal ein Mann kam, den sie mir vorstellte. Ich glaube sie waren eine Zeit lang zusammen. Stattdessen erinnere ich mich an die Zeit mit meinen Grosseltern, beim spielen und beim naschen von frischen Erdbeeren und Himbeeren im Garten. Beim Einmachen, Marmeladekochen und beim Backen. Bei meinen Grosseltern habe ich viel zeit verbracht und sie sind mir sehr ans Herz gewachsen.
Mama ist dann irgendwann mit mir nach Freiburg gezogen und mein Papa hinterher. So lebte ich dann eine Ganze weile jeweils eine Woche Bei Mama und eine Woche bei papa.
Mit Papa habe ich viele Abenteuer erlebt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass mein Papa lange Arbeitslos war und so viel Zeit für mich hatte. Er hatte eine kleine Wohnung im Stadtteil Ebnet, die beinahe wie ein Kellergewölbe war. Fast kann man sie sich wie ein Hobbithaus aus Herr der Ringe vorstellen.
Auf der einen langen Seite war sie wie ein Keller unter Strassenhöhe. Auf der anderen langen seite, zum Fluss Dreisam hin war sie aber auf Erdgeschosshöhe mit fenstern zum Innenhof, der sich von der strasse absenkte. Der Innenhof hatte auch eine kleine Wise bis zum fluss hin, auf der ich gerne mit dem Löwenzahn spielte.
Ich kann mich noch an einige abenteuer in dieser wohnung erinnern. Ich hatte ein kleines Batteriebetriebenes Flugzeug, das an einem Faden hing und Kreisen konnte. Dazu hatte ich noch einen kleinen Boxsack mitsamt Boxhandschuhen und eine Darts-Scheibe, auf der Papa und ich gerne Darts spielten.
Vor den Boxhandschuhen hatte ich nachts vor dem einschlafen wenn es Dunkel war immer angst gehabt.
Die Dartsscheibe war elektrisch und machte lustige töne, zum beispiel wenn man nicht traf, die Papa und ich gerne nachahmten, wenn uns bei etwas ein Missgeschick oder ein Erfolg gelungen waren.
Ich erinnere mich noch, dass einmal eine Multiviramin Flasche geplatzt ist uer der Orangene saft sich an der Ganzen Wand und auf dem Heizkörper verteilt haben. Den haben wir nie wieder vollständig Sauber bekommen.
Ein anderes Mal hat Papa versucht, ein Marmeladenglas zu öffnen, wobei das gute Silbermesser von Oma Sasse an der Spitze abgebrochen ist. Papa und ich sind an die Bandschleifmaschine gegangen und haben die scharfe bruchkante rund geschliffen und zähne in das messer, so das es noch schneiden kann. Das Messer habe ich heute noch. Auch in die Natur sind wir viel gegangen. Wir sind feuerle machen gegangen, haben geschnitzt und gegrillt. Sind spazieren gegangen auf Spielplätze, und später hat Papa mich auf einem Anhängerad mitgenommen und wir sind Inline skaten gegangen. Auch sind wir viel ins Schwimmbad gegangen.
Gelegentlich haben wir auch Freunde von Papa getroffen. Alles in allem, eine Hindheit, wie man sie sich wünscht.
Die Zeit mit Mama war anders aber auch grösstenteis schön. Wir lebten zusammen in einer Kleinen Neubauwohnung in Littenweiler. Mama hatte ein kleines Auto, einen Fiat Panda. Dia Wohnung war im erdgeschoss und hatte eine Kleine Terasse mit einem rund ums Mehrfamilienhaus reichenden Garten.
Ich hatte einen Kleinen Sandkasten, in dem ich es Liebte, Schlösser zu bauen und diese dann danach wieder mit wasser kaputt zu machen. Mit mama habe ich erinnerungen mit Kinderfreunden, Und besuchen bei Freunden von mama. Tolle Abende auf Bauernhöfen mit grossen lagerfeuern und beisammen sein. Mama hat auf dem Markt in Freiburg geschafft. Entsprechend wa ich oft auf dem Markt. Ich erinnere mich noch, dass es da eine Asiatin gab, die sushi verkauft hat und eine alte Dame, die Köstliche, frische Waffeln gemacht hat.
Bei der Dame mit dem Sushi haben wir auch einmal einen Sushi-kochkurs gemacht.
Das war phantastisch.
Sportlich habe ich mit mama das Snowboard Fahren gelernt. Damals war ich noch sehr Jung.
Im kindergarten kam ich das erste mal so richtig mit vielen anderen Kindern in Kontakt.
An das Haus für Kinder am Hirzberg habe ich viele sehr schöne Erinnerungen.
Es war ein grosses, mit Holzschindeln gemachtes haus. Wie der Name Schon sagt am Hirzberg. Mit einladender grosser wiese unterhalb des hauses und einem Abgezäunten Waldstück mit einem Ausguck und einer Quelle überhalb des Hauses. Vor Dem haus gab es dann noch einen gepflasterten Platz Mit Schaukel und Rutsche und einen Grossen Sandkasten, in den die Quelle verlief.
Zwischen dem grossen Haupthaus und der unteren Wiese gab es noch einen kleineren Platz, Halb im wald und mit einem Alten Bauwagen mit rundem Dach. Um diesen Platz Rankten sich riesige Bonbeersträuche, von denen man im Sommer naschen kann.
Neben dem Haupthaus, das hauptsächlich einen Essenssaal, eine spiel und bücherecke sowie einen Gang mit Basteltischen gab, gab es noch einen neueren Anbau, der unten ein Atelier und einen Computerraum für die älteren enthielt und oben drann einen grösseren raum mit matten und Decken, in dem man Spielen, Toben und sich versammeln konnte. Das Gelände war alles in allem für einen Kindergarten und Mittagstisch riesig.
Ich weiss noch, dass ich die ersten male, als Mama mich dort abgegeben hat furchtbahr geweint habe.
Am morgen gab es immer erstmal eine Versammlung.
Und obwohl es dort mit sicherheit recht viele Kinder Gab, erinnere ich mich nur noch an recht wenige von ihnen:
Lukas, Matthias, Raphael und Jaroslav.
Gemeinsam erlebten wir die Kühnsten Abenteuer im Wald, auf den Wiesen und in den Brombeersträuchen.
Im sommer nahmen wir uns Stücke und liehen uns von den Erziehrinnen Gartenscheren aus, mit denen wir eine Basis mit Räumen, Gängen und Hölen in die Brombeersträuche schlugen. Im Wald liess sich Phantastisch Verstecken Spielen und der Sandkasten mit der Dahingehenden quelle erlaubte Staudämme und kühne Burgen mit Wassergraben.
Bald schon entwickelte ich mit Raphael eine Freundschaft und wir trafen uns auch ausserhalb des Kindergartens.
Aber mit Lukas dagegen entwickelte sich eine Feindschaft, wie aus dem Bilderbuch. Wir waren erzfeinde. Und da Lukas und Matthias Beste Freunde waren, war auch Matthias bald mein Feind. Das muss wohl irgendwann in der Schulzeit gekommen sein. Auch in der Grundschule hatte ich recht wenig Freunde aber einige hatte ich dann Doch. Es waren hauptsächlich Mädchen. Lucia, Juelie und Zora. Auch an die Emil thoma Grundschule hatte ich gute erinnerungen. Es war eine Kooperationsschule und wir hatten eine Parallelklasse mit Behinderten Kindern die bis weilen schon recht anstrengend sein konnten.
Ich erinnere mich noch an einige Projekte die wir gemacht haben. Wir haben zum beispiel Wasserfilter mit PET Flaschen und unterschiedlichen Sedimenten gebaut und hatten ein kleines Gartenprojekt, von dem wir dann die Kartoffeln geerntet hatten und daraus Ofenkartoffeln gebacken haben.
Ich erinnere mich auch noch daran, dass Mama und ich einmal Kastanien Sammeln mussten, um Kastanientiere mit Zahnstochern zu basteln. Und einmal hatten wir den auftrag, eweils das Grösste und kleinste Blatt mitzubringen. Die blätter haben wir dann getröcknet und aufgehängt.
Gereon der eingebildete Schnösel hatte ein Bananenblatt gebracht.
Wie gesagt, hatte ich während der Schulzeit recht wenig Freunde. Lukas, Matthias und ich gingen alle in eine Klasse, aber zum Haus für Kinder musste ich alleine gehen.
Ich erinnere mich noch daran, dass ein älterer Junge Doktorspiele mit den Kindern machte, und ich nahm teil, weil ich sonst keine Freunde hatte.
Einmal gab es auch einen Regelrechten Krieg im kindergarten. Lukas und Matthias hatten dazu noch Raphael und ein anderes Kind angestachelt und schnappten ich dann Waffen aus dem Kindergarten, um auf mich loszugehen.
Das waren kinderschaufeln aus plastik, flexi wasserrohre und ein Stock.
Ich weiss heute nicht mehr genau was passiert ist .Es war auf jeden Fall um die Rote schaukel herum. Irgendwie gelang es mir, lukas die lange schaufel und matthias das rohr zu entreissen. Raphael warf daraufhin seinen Stock weg und sie sind weggerannt. Später sind sie mir dann noch mal aufgewartet und lukas und ich haben uns furchtbahr im Gesicht zerkratzt. Doch dass sollte nur eine Vorahnung auf das sein, was noch auf mich zukommen würde.
So war ich längere Zeit sehr einsam aber glücklicherweise änderte sich das gegen Ende der Dritten Klasse. Ich fand einige Freunde, etwa Sebastian. Und im dritten Schuljahr kam noch Tjark dazu, der hergezogen war, mit dem ich mich gut Verstand.
Auch das Verhältnis mit Lukas und Matthias besserte sich. Ich weiss noch, dass ich Matthias auf dem Weg zum haus für Kinder einmal gefragt habe, warum er sich so verändert habe. Er sagte mir, nich er, sondern ich habe mich verändert.
Leider nahm diese Zeit ein jähes Ende. Meine Mutter hatte einen neuen Mann, Sandro kennen gelernt und zog mit ihm und mir in die Schweiz, als ich die 4. Klasse halb fertig hatte. Von da an konnte ich auch meinen Papa nur noch jedes 2. Wochenende sehen, was mich sehr beschäftigte. Ich glaube, das war auch für meinen Papa sehr schlimm und er fiel in die Alkoholsucht.
In der Schweiz wurde es erst richtig übel. Sandro und Mama hatte manchmal heftige streits und auch ich war mit Sandro manchmal recht verstritten. Etwas, was ich von früher überhaupt nicht kannte mit erwachsenen. In der Schule war ich der absolute Aussenseiter. Man muss wissen, dass schweizer oft nicht viel von Deutschen halten. Man nennt sie Schwöbli, was man auch als Deutscher als Pfennigfuchser kennt. Zudem nennt man aber auch ein Bestimmtes Weckchen "schwöbli" - Das Fudiwegg. Fudi heist Arsch auf schweizerdeutsch. Es heist deshalb Arschwecken, weil seine Form sehr an zwei Pobacken erinnert. Soviel dann zu meiner Stellung in der Schule.
Jedenfalls lernte ich kennen, was es heisst gemobbt zu werden. Es ist eine sache, wenn man einen erzfeind hat. Oder man hin und wieder geföppelt wird. Aber wenn einen so zu sagen die ganze Klasse hasst, dann heisst es Demokratie. 10 Finden es lustig, einer weint.
Ich glaube es verging nicht ein einziger tag, an dem ich nicht beleidigt, mit grampen abgeschossen wurde oder an dem man sich nicht anderweitig über mich lustig machte. Einmal wollte mich Ummut zusammen schlagen. Zum glück holte mich meine Mama an dem Tag von der Schule ab.
In der Tagesbetreuung lief es auch nicht viel besser. Einmal hatte mich ein älterer Hitlersohn genannt. Und auch dort fand ich einen neuen Erzfeind, Jakob.
In einem Hitzigen Streit nannte ich dann Jakob auch mal einen Hitlersohn - und habe den Anschiss meines Lebens kassiert. Einmal gab es auch eine ähnliche Situation wie am Kindergarten Jakob schickte seine Kleine Schwester vor meinen Augen an, mich zu kratzen. Dieses Feige schwein. Er sagte zu mir, ich würde mich nicht trauen, ein Mädchen zu schlagen. Aber das war natürlich nur ein Vorwand. Sie kam und kratzte mich. Ich schubste Sie weg. Und daraufhin griff er mich wiederum mit seinen Freunden an.
Glücklichweise scheint man in solchen Situationen wenn es wirklich brenzlig wird einen Adrenalinschub zu bekommen und kann bärenkräfte entfachen. Zumindest bei mir war es so.
Später kam dann die Orientierungsschule. Das ist eine Dreijährige schule zwischen Grundschule und einer höheren schule, um zu entscheiden wohin man am ende geht.
Hier war es zum glück ein bisschen, aber nicht viel besser. Ich erinnere mich noch daran, dass mich ein Klassenkamerad immer wieder von rammte, bis ich ihn derart schubste, dass er gegen einen Heizkörper in der Turnhalle Flog.
Und natürlich war es wieder ich, der ärger bekam. So war das eigentlich immer. am ende war ich der Gelackmeierte.
So war es also. An der Schule war ich verhasst, und zuhause gab es irgendwann immer nur streit. Ich hielt es nicht mehr aus. Ich wollte nciht mehr leben. Ich musste Weg.
Da ich kein Geld hatte und reiss ausnahm, nahm ich mir etwas geld aus dem Urlaubssparkässchen. Viel konnte es nicht gewesen sein. Vielleicht 100 Franken oder so, um mir ein zugticket zu kaufen. Ich packte mir das nötigste und setzte mich in einen Zug in richtung meiner Heimat, Freiburg im Breisgau. Noch heute nehmen Mama und Sandro es mir übel, dass ich das Geld aus dem Urlaubskässchen entwendet habe. Ich stehe da auch heute noch voll dazu. Was hätte ich tun sollen? Laufen oder mich vor den Zug werfen?
So stand ich also vor der Tür meines Vaters bei seiner neuen Wohnung in ebnet. Er war natürlich sehr verdutzt aber er nahm mich gerne auf.
Wie ich schon vorher geschrieben hatte, wahr mein Vater wohl Alkoholabhängig, aber ich muss dennoch stolz sagen, dass er sich nie vor mir betrank, und mich auch nie schlug oder anschrie. Er ist ein sehr liebevoller Vater. Ich bin auch ziemlich stolz, dass er die Sucht mittlerweile schon lange im Griff hat.
In Freiburg kam ich dann auf die Lessing Realschule. Und diese Schule war die reinste Katastrophe. Wo in der Schweiz Mobbing hauptsächlich Erniedrigungen und eher wenig physische Gewalt war, war es in Deutschland Physische gewallt. Und zwar aufs übelste. Einmal waren wir Beispielsweise in einem Museum und beim gan um die Ecke eines Schaufensters hörte ich zwei mädchen vor einem kleinen Gegenstand kichern:
Das ist bestimmt der Penis von Julian.
Die Lehrer in deutschland waren auch alles andere als hilfreich.
Im Physik Unterricht bekam ich in mündlich die schlechteste Note. Meine Lehrerin, die Schulleitern mochte mich nicht leiden. Im elterngespräch meinte Sie dann, Julian meldete sich nie. Ich konterte, sie nehme mich ja auch nicht dran.
Also trafen wir dann die vereinbahrung, dass ich mich immer melden würde. Wie Hermine Granger meldete ich mich IMMER. Und immer sagte frau Frank vor der ganzen klasse:
"Julian, ich weiss dass du es weisst, aber dich nehme ich nicht dran." und am ende bekam ich eine 4.
Ein andermal bekam ich eine Strafarbeit und mein lehrer behauptete Felsenfest, das hätte ich nicht selbst geschrieben.
Ich möchte hier nicht auf alle details eingehen und alles detailgenau beschreiben. Das würde den Rahmen Sprengen. Ich könnte für jeden Tag mindestens eine Geschichte schreiben.
Eine Geschichte möchte ich aber zum besten geben, da sie alles sehr gut bündelt, wie ich finde.
In einem Schuljahr wurde ich neben Nils Gesetzt. Ich würde ihn heute (wie damals) als geistig gestörten Klassenklown bezeichnen. Es befand sich an einem Tag, da Spitzte er den Bleistift an, so scharf es ging und rammte mir den Bleistift mit der Spitze vorran in den Flachen Handrücken auf dem Tisch.
Die Spitze brach ab und blieb in meiner Hand stecken. Ich schrie auf. Der Lehrer Schickte mich wegen Ruhestöhrung raus. Von der Bleistiftmine in meiner Hand wollte er nichts wissen.
Damit soll diesem dunklen Kapitel in meinem Leben genüge getan sein. Es kam mir endlos lang vor und ich hatte viele selbstmordvorstellungen und oder wollte mich selbst verletzen, was mir aus meinem Selbsterhaltungstrieb heraus zum glück nie richtig gelang.
Dieses Kapitel sei an alle Erwachsene gerichtet. Eltern, Lehrer, Therapeuten, Ärzte und sonst alle die so etwas mitbekommen. Ich sage nicht, dass jemand versagt hätte. Nein. Alle haben auf voller Linie versagt. Und zwar komplett. Ich hatte niemanden an den ich mich wenden konnte.
Was ist an "Es gehören immer zwei dazu" so schlimm?
Das schlimme daran ist, dass es in gewisser hinsicht stimmt. Davon bin ich überzeugt. Sonst hätte es sich nicht wie ein Roter Faden durch meine Schulbahn gezogen.
Das heisst aber nicht, dass man etwas dafür kann, oder dass man sich das wünscht.
Das schlimme an der ganzen sache ist, dass man sich bewusst ist, dass man irgend etwas an sich hat. Am aussehen, an der art oder sonst etwas, dass das auslöst. Das macht, dass man Ausgrenzung und Gewalt wie einen Magneten anzieht. Aber man kann es nicht ausmachen. Man findet nicht woran es liegt. Noch heute kann ich das nicht abschliessend sagen.
Ich wurde erniedrigt, Geschlagen, Sexuell missbraucht. Mein Ausweis wurde zerschnitten, meine Arbeiten in der Schule zerstört. Man hat versucht, mich vor eine Fahrende Strassenbahn zu schubsen und ich wurde Sexuell von Mitschülern misshandelt.
Wenn man sich an Erwachsene wendet, hört man allenfalls floskeln wie: "Ach komm, so schlimm ist das doch nicht", "Jetzt reiss dich mal zusammen", "Du stellst dich immer als Ofer dar". Das schlimmste, wie Sexuelle misshandlungen ist so schamvoll, dass man es nicht erwähnt. Und das schlimmste an letzterem war, dass ich einfach hätte nein sagen müssen. Aber ich konnte nicht. Es war mein einziger, falscher Freund.
Jemandem der so etwas behauptet, würde ich auch gerne mal einen angespitzen Bleistift in eine Extremität schlagen, so dass die Spitze abbricht und darin hängenbleibt.
In gewissen Situationen mag das ja Zutreffen aber mir hat das nie geholfen.
Dass mit mir etwas nicht stimmt, hat man wohl gemerkt. Ich wurde zu mehreren Therapeuten geschickt. Geholfen hat das alles nichts. In der Schulzeit hat man mir dann eine Autismus störung, eine schwere seelische Behinderung diagnostiziert. Aber was das für mich bedeutet, und wie ich damit umgehen kann, das hat man mir nicht gesagt. Zum Abschluss, als mein Vater und ich uns entschlossen, die unnützen therapiestunden abzubrechen, meinten die Therapeuten noch, dass sie mich ungern so einfach "ohne hilfe" ins leben entlassen wollten. Man hat mich zu Kurve e.V. geschickt. Eine Einrichtung für Gewalttätige Jugendliche, die "Die Kurve Kriegen" sollen. Daher der Name. Eine ganz Phantastische Entscheidung, einen Pazifisten, ein Langjähriges Mobbing opfer in so eine einrichtung voll gewaltbereiter Jugendlicher zu stecken.
Seither stehe ich therapeuten besonders skeptisch gegenüber.
Dieses Kapitel ist wohl eher an betroffene oder angehöriger Betroffener gerichtet. Es rührt vor allem daher, dass ich mir alles in diesen Belangen selbst beibringen Musste.
Schäme dich nicht
Schäme dich nicht dafür, der ausgestossene zu sein. Versuche nicht deshalb, zwanghaft dazuzugehören frei nach dem Motto: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs gänzlich ungeniert"
Hoffnung
Verliere nicht die Hoffnung. Die welt dreht sich weiter. Du wirst älter werden, die Zeiten werden sich ändern.
Verhaltenskodex
Baue dir einen verhaltenskodex auf. Halte dich an dein verhaltenskodex. Speziell wenn du gemobbt wirst, solltest du nicht auch noch schwächere, andersdenkende Mobben.
Nein sagen.
Lerne, nein zu sagen und hinter deiner Meinung zu stehen. Tue nicht, was du nicht willst, auch wenn dich andere dazu drängen. Das gilt in vielen bereichen, alkohol, zigaretten, drogen, sex, ...
Selbstbewusstsein
Stärke dein Selbstbewusstsein, lerne, deine Meinung zu vertreten und dabei zu bleiben.
Körperliches Training
Trainiere, um deine Fitness aufzubauen, damit du dich notfalls wehren kannst. Greife andere nicht an, aber lasse angriffe auch nicht ungescholten. Das motto der bibel: "Wenn du auf die rechte wange geschlagen wirst, halte noch die Linke hin" hilft definitiv nicht weiter. Ich sage damit nicht, dass du dch auf Prügeleien einlassen sollst. Einfach nur, dass du wehrhaft bist. Es hilft nichts, Pazifist zu sein.
Ich weiss, das Kapitel ist ziemlich unspezifisch und kurz gehalten. Ich werde es wohl in zukunft noch überarbeiten und ausschmücken müssen. Ich denke ein guter rat ist, sich auf die zuche zu begeben, die dinge zu ergründen. Und zu dem Thema viel zu lesen und auszuprobieren was funktioniert und was nicht.
Mit meiner Ausbildung änderte sich dann alles. Ich kann nicht genau sagen, woran es lag, ob die anderen reifer waren, oder schlicht anderes zu tun hatten, weil sie sich nun um Lohn und Brot bemühen mussten. Der Ernst des Lebens auf sie Traf. Jedenfalls waren die übelsten Dinge mit beginn der Ausbildung schlagartig vorbei.
Versteh mich nicht falsch. Es war nicht plötzlich alles Friede freude Eierkuchen. Von meiner kindheit habe ich den ein oder anderen Knax davon getragen auch heute mag man mich gut und gerne zumindest als Komischen Kautz bezeichnen.
So ging ich also verunsichert in die lehre und erwartete schon hinter jedem Streich, dass es wieder los ging. Aber dem war zum glück nicht so.
Zwar war ich immernoch nicht besonders beliebt und hatte in der Ausbildung keine richtigen Freunde, aber immerhin wurde ich in ruhe gelassen.
Mein knax jedoch, der sollte mich auf unschöne art und weise wieder einholen. Er rumorte in mir. Und wartete nur darauf auszubrechen, wie ein schlafender Vulkan. Obwohl ich nun nicht mehr gemobbt wurde, hatte ich Depressionen und hatte es in der Ausbildung nicht leicht. Die Schule ist für mich kein Ort, an dem ich gerne bin. Vermutlich auch deshalb kann ich kein Studium absolvieren.
Auf jeden fall lernte ich eines Tages eine Arbeitskollegin auf der Arbeit kennen, und sie Ummütterte mich. Vermutlich hat sie gemerkt, dass es mir nicht gut geht.
Ich liess mich auf eine art Makaberes Rollenspiel mit ihr ein und öffnete mich ihr.
Sehr schnell wahr ihr klar, dass ich nicht einfach ein 17 Jahriger war der Kummer und Sorgen hatte, sondern dass ich einen richtigen, deftigen knax hatte. Daraufhin fuhren wir zu einem Arzt, der mir allerhand Fragen stellte. Ob ich stimmen hörte, die mir sachen befiehlten.
Ob zum beispiel der Toaster mit mir Sprechen würde und so weiter in diese Richtung. Das war nicht der Fall. Am ende dieses Gesprächs jedenfalls, entschied man sich, den Krankenwagen zu rufen.
Das schlimmste an der Ganzen sache war, dass ich nicht wusste wie mir geschah und man auch nicht auf meine Fragen reagierte. Man brachte mich in die Psychiatrie Emmendingen. So eine Psychiatrie, das kann ich sagen, ist ein Ort, an den man nun wirklich nicht Freiwillig möchte.
Ich glaube von der einlieferung in der Psychiatrie selbst habe ich ein Trauma davon getragen.
Das geände war gross, ähnelde einem Park, mit vielen Häusern. Darunter auch einige, hoch mit stacheldraht eingezäunt. Der hof darin mit Sand ausgekleidet und einer Palme sowie einer Sonnenliege. Die Geschlossene Psychiatrie für schwerverbrecher. Daneben, eine Kapelle