Meine Ausbildung machte ich bei der Stadtverwaltung Freiburg. Damals schon kam mir vieles Komisch vor. Dort sagen sich "Fuchs und Haas" gut nacht, heisst es. Und so ist es auch. Speziell im Rückblick, mit mehr Erfahrung wie es sonst so im Leben läuft sind die Stories zugleich Lustig, erheiternd, abstrus, aber auch traurig. Ich habe eine Tiefe aversion gegen den Staat und dessen ineffizienzen, was vermutlich auch zu Teilen in meiner ausbildung begründet ist. Ich bin ein sehr kreativer Mensch und versuche eigentlich immer sehr effizient zu sein. Und letzten endes ist es mein Stuergeld, das dort verschwendet wird.
Das folgende soll nicht unbedingt eine Zeitlich korrekt angeordnete Darstellung sein. Vielmehr versuche ich eine Kollektion des Erlebten zu erstellen.
Feste und Alkohol sind bei der Stadtverwaltung immer sehr wichtig gewesen. Ob bei der Reise zur Partnerstadt Padua und einer Weindegustation, Bei der Besichtigung der Ganther Brauerei Freiburg, in der braubar Feierling, bei der schnapswanderung oder anderen angelegenheiten. die Feste waren immer gut, Das essen war sehr gut und es gab reichlich Alkohol. Das ist, was mir in Erinnerung Blieb.
Im ICT Support arbeitete Damals ein Russischer Kollege, Oleg. Über den gab es auch die ein oder andere Lustige geschichte. Beispielsweise war er nach eigenen angaben zu faul den Müll herunter zu tragen und so warf er schlicht den Müllsack aus dem Fenster - Dem Dezernatsleiter direkt auf den Kopf. Ausserdem habe der Kollege wohl aggressionsprobleme. Eine Lösung musste her. Resultat war, dass dem Kollegen ein Boxsack ins Büro montiert werden sollte, damit er seine Triebe stillen konnte.
In einem anderen Büro sass ein Kollege mit einem Original Anzug aus Elvis Presley zeiten und einer grossen Pompadur Frisur. Er schwörte auf Pomade und sah immer wie Geleckt aus. Was der Mann arbeitete wusste man nicht so genau. Aber in allen Meetings betonte er immer dass er Technik ablehne. Er benutzte nur klassische analoge Technik, wie etwa Film-Kameras. Ein altes Nokia-Tastentelefon was das Höchste der Gefühle. Auch das betonte er bei jedem Meeting.
Sein Nachname ist dabei interessanter als sein Vorname. Herr Poser hiess er.
In einem Eck-Büro gab es eine spezielle Herrschaft. Ich weiss nicht mehr genau was der stellenbeschrieb war. Jedenfalls musste er von amts wegen immer Pornoseiten und sexshops ansehen. Ich glaube er war da um zu prüfen, ob die Geschäfte auch wirklich echt seien und existierten.
Kaffee war bei der Stadtverwaltung besonders wichtig. Ich sass im Büro mit der Kaffemaschine. Besonders für den Herrn mit der Elvis-Frisur. Allerdings muss solch eine Maschine ja immer wieder entkalkt und gereinigt werden.
Aus diesem Grund wurde ein Post-It Zettel an die Maschine Geklebt.
Jedoch wollte der Herr die Reinigung nicht abwarten und liess einen Kaffe raus.
Diesen spuckte er standesgemäss aus und dann brach eine Grosse Zankerei im Dezernat aus. Man habe ihn vergiften Wollen spie er aus und verbreitete die Nachricht auf weiter Flur, in jedem Büro. Der Dezernatsleiter musste einschreiten, seit jenem Tag jedoch war die stimmung immer etwas schief jzwischen dem herrn und dem Kaffeemaschinen-Büro. Man hatte ihn vergiften wollen, Mord! Darüber kam her Poser nicht mehr vollständig hinweg. Von nun an war er der Kaffemaschine immer sehr skeptisch gegenüber eingestellt.
Als ich 18 wurde, stand es an, den Führerschein beim Bürgeramt abzuholen.
Auch papa musste etwas dort erledigen. Das Bürgeramt war ein Grosses Gebäude mit mehreren Stockwerken die ums eck gingen. Auf einem Stockwerk konnten die Bürger ihre Angelegenheiten klären. Es gab einen warte bereich mit einer nummer-zieh-maschine und zu beiden seiten des Ganges jeweils etwa 20 Büros, jeweils gefüllt mit 3 Beamten. 120 Beamte also, die auf Gäste wareteten. Geschätzte Wartezeit: 4 Stunden.
Das warte areal war voll. Die Bürger standen schlange bis ins erdgeschoss. Sassen auf dem Boden, auf den Treppen, weil kein Platz mehr war.
Mein Vater also peilt die Nummern-Zieh maschine an.
"Stop Papa! Was tust du?" - "Hä? Ich ziehe eine Nummer. Ist das Falsch?"
"Nein Papa, da stehen wir morgen noch hier. Wir machen das anders. Komm mit"
Zielstrebig lief ich den Gang entlang, auf das letzte Büro zu.
Wir klopften kurz und traten ein. Die Kollegen waren gerade damit beschäftigt bei einem Kaffee Wichtige Dinge zu besprechen. Die waren so wichtig, dass sie wohl geheim waren und sie hörten unvernehmlich damit auf, diese geheimen dinge auszutauschen. Ich fragte sie höflich, ob sie Mir nicht helfen konnten. Schliesslich kannten sie mich ja und wir Waren kollegen. Na Klar!
Und auch die anderen beiden kollegen liessen je einen Bürger kommen und bearbeiteten deren Fall, bevor der Nächste Kaffee genommen werden konnten. Schnur strax waren Papa und ich nach 5 Minuten fertig.
Schon toll, wenn man Connections hat.
Auch bei einer Wichtigen Abstimmung durfte ich einmal dabei sein. Dort wurde in einer art Mini-Bundestag darüber abgestimmt ob man von einem Anwesenheitsmodell zu einem Arbeitsmodell wechseln solle. Also dass man gewisse Mindestarbeitspakete einführen solle. Zum beispiel mindestens 5 Bürger am Tag in Empfang nehmen.
Dies führte wie zu erwarten zu einem grossen aufruhr und aufregung. Das würde zu grosser Psychologischer Belastung und Burnout führen. Die Belegschaft stimmte klar dagegen ab.
Geld zu sparen ist bei der Stadtverwaltung sehr wichtig. Daher hat jedes Dezernat ein gewisses Budget pro jahr. Dies ist allerdings bei Abteilungen wie der IT problematisch, denn diese haben nicht jedes Jahr gleiche Kosten. wenn zum beispiel Server angeschafft sind, sind diese ja 5 Jahre gut. Das führt zu einem grossen Problem: Um geld zu sparen wird das Budget im nächsten Jahr darauf angepasst, was im letzten Jahr verbraucht wurde. Und das dann wieder hoch zu bekommen ist nicht einfach. Die lösung ist simpel:
Am ende vom Jahr muss richtig auf den Putz gehauen werden. Egal wie. Die Millionen müssen raus, damit man in jahr 5 dann noch die Millionen für die Server hat.
Bei der Stadtverwaltung werden Leute die man nicht will "Wegbefördert" - denn raus schmeissen ist schwierig. Das gibt dann zum beispiel eine Beratungsposition, die befolgt werden kann - oder auch nicht. Aber eins ist sicher: Eines Tages muss die Stelle nachbesetzt werden. Sonst müsste man ja zugeben, dass diese eigentlich gar nicht benötigt wurde. So gab es auch für mich nach der Ausbildung eine übernahme Garantie und es wurde für mich eine Stelle geschaffen. Aber bei dieser gab es einfach nichts zu tun. So schaute ich also Youtube videos. Aber das wurde mir schnell langweilig. Denn ich will doch eigentlich was schaffen im Leben. Irgendwann hat man dann auf Youtube auch alles gesehen, und so verliess ich schlussendlich die Stadtverwaltung Freuburg und suchte mein Glück in der Freien Marktwirtschaft
Nach meiner Ausbildung konnte ich etwa 50€ im Monat Sparen. Ich rechnete mir aus, dass ich mir so mein Traumauto wohl mit 60 Jahren leisten konnte. Das war mir aber nciht genug. Ausserdem Spürte ich, dass es mit dem Land bergab ging. Und so wanderte ich wohl so um 2015 nach meiner Ausbildung in die Schweiz aus, um zu Studieren.
Das Studium, merkte ich schnell war nichts für mich. Der Physikunterricht war für mich zu anspruchsvoll, denn mir fehlten die nötigen vorkenntnisse. Die Anderen Fachgebiete, Biologie und informatik waren Todlangweilig. Letzten endes Lernte ich vor allem dass hier nichts für mich dabei war. Und so brach ich das Studium ab und begab mich in die Freie Marktwirtschaft.
Ich arbeitete in einer kleinen Bude namens Zweipunkt, mit etwa 8 Mitarbeitern.
Gott war ich grün hinter den Ohren. Meine Aufgabe war es zum einen, interne Mitarbeiterumfragen für novartis zu erstellen. Zum anderen Inspektionen und wartung von Kameras vor Ort auf dem Novartis Gelände.
Wechseln musste ich, nachdem Novartis den Umfrage Service nach Indien auslagerte. Das war ein Lukratives Geschäft. eine umfrage mit 5 Fragen zu erstellen (ähnlich survey monkey, keine auswertung, alle fragen vorgegeben) war etwa 15 Minuten aufwand und Kostete 2000 Franken. Grössere umfragen entsprechend mehr. Als das Geschäft nach Indien vergeben wurde jedenfalls musste ich gehen.
Mein Chef machte mir den Vorschlag zur Firma eines seiner Bekannten zu wechseln, was ich dankend annahm. Das war eine Katastrophe.
Die firma war genau genommen ein Zusammenschluss aus zwei betrieben von zwei Freunden. Ich hatte zwei chefs und war noch immer grün hinter den Ohren ohne viel Erfahrung. Chef A) sagte arbeite an x und Chef B) sagte hey, was tust du? Arbeite an z! Natürlich kam irgendwann chef A wieder und meinte: Warum arbeitest du an Z? Ich hatte dir doch gesagt, du sollst an X arbeiten. Letzten endes lösten wir das Anstellungsverhältnis auf. Die begründung war, dass man keine 3 Monate zeit habe mich einzulernen. Ich war letzten endes auch glücklich darüber denn ich realisierte, dass das kein gesundes Anstellungsverhältnis war.
Meine ersten Richtigen erfahrungen sammelte ich dann bei Thermofisher Scientific im Standort Allschwil im ICT Support.
ich machte dort viele tolle und lehrreiche erfahrungen. Ich konnte viele Tolle Projekte umsetzen. Ich war in der ICT der, der die Spezialprojekte übernehmen durfte. Man wusste: Wenn ich es mache, funktioniert es am ende.
Man gab mir die Möglichkeit, mich in den Application Support weiter zu entwickeln. Eigentlich wollte ich Programmierer werden. Leider eine Sackgasse, wie sich heraus stellte. Ich war in der Position Application Support nicht glücklich.
In der Firma war das umfeld auch sehr Toxisch. Es gab eine Menge Korruption und das Belastete mich immer mehr. Ich begann zu kämpfen und war tatsächlich in der Lage sehr viel zu bewegen. Ich reichte meine Fühler bis in die Geschäftsleitung und es gelang mir eine hauptverantwortliche person "herauszuwerfen" und es musste tatsächlich auch die Geschäftsleitung zurück treten, was selbstverständlich nicht allein mein Verdienst war.
Allerdings merkte ich, dass die Situation dadurch nicht besser wurde. Die Probleme sassen tiefer in der Belegschaft. Und so begann ich, mich weiter umzusehen, statt gegen windmühlen zu kämpfen
Ich fand eine stelle bei der Skan AG. Das Kollegiale Verhältniss dort war ein traum und gefällt mir sehr. Die Arbeitsathmosphäre ist sehr gut.
Allerdings merkt man auch hier, dass die Stimmung langsam kippt, je grösser die Firma wird. Ich frage mich, ob das ein natürlicher Prozess ist, meine èWahrnehmung oder woran es liegt. Ich habe nun 5 Jahre für einen Stellenwechsel gekämpft und habe tatsächlich die Position zum ICT Solution Developer Errungen.
Leider gab es keine Gehaltserhöhung und das Gehalt stimmt nicht ganz. Das ist aber nicht das massgeblich entscheidende. Ich stelle leider fest, dass es in der neuen Position im grunde nichts für mich zu tun gibt. Das heisst es gäbe sehr viel zu tun, und ich habe viele ideen.
Eigene kreativität wird jedoch abgeblockt und aufgrund der Abhängigkeiten kann ich so nicht wirklich viel tun. Das ist problematisch für mich.
Zuletzt hatte ich ein tolles Projekt, "The Well" bei dem mein Kollege Riccardo und ich ein RAG System aufgebaut haben.
Ich hoffe dass wir das Projekt weiterführen können oder es noch weitere spannende Projekte gibt, denn intranet Sharepoint apps mit React und Node JS tun mich überhaupt nicht an. Weiter übernehme ich Jira Themen von Davide, was aber auch nicht meinen Zukunftsvisionen entspricht.
Immerhin habe ich genug zeit für meine Privaten Projekte aktuell. Ziel ist für mich, mindestens 2 Jahre Durchzuharren, damit ich "Die nötige Arbeitserfahrung" für einen Wechsel habe.